Geschäftschancen

Unternehmerische Chancen in der Hauptstadtregion

In Berlin als Stadtstaat und Brandenburg als größtem Flächenland der Neuen Bundesländer bestehen zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen die Veränderungen im Energiemarkt zu nutzen – sei es durch Neugründungen, Firmenansiedlungen oder die Erschließung neuer Geschäftsfelder für bestehende Unternehmen. So bieten beispielsweise Mieterstrom-Projekte im Dächer reichen Berlin eine Chance für die Solarbranche. Von Vorteil für die Initiierung solcher Projekte sind die deutlichen Preissenkungen in der Photovoltaik der jüngsten Zeit. Auch im Umland und ländlich geprägten Brandenburg ergeben sich neue Möglichkeiten für unternehmerische Aktivitäten, beispielsweise durch eine stärkere Kopplung der Sektoren Wärme, Verkehr und Strom. Hier kann Brandenburg von seiner ausgeprägten Windkraft-Branche profitieren. In Berlin bieten sich neue Optionen im Verkehrssektor. Hier sind Projekte in Planung, die der Weiterentwicklung der Elektromobilität und dem zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur dienen.  

Die Hauptstadtregion profitiert ebenso von den vielen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Mit Hilfe des Transfers neuester Entdeckungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse lassen sich Innovationsprozesse in Gang bringen. Einen Hebel hierfür bieten die zahlreichen Start-ups, die sich auch im Energie- und IT-Umfeld herausgebildet haben. Durch eine nachhaltige Start-up Kultur könnten in den kommenden Jahren noch einige Neugründungen auf den Weg gebracht werden. Das Potenzial für Geschäftsideen sowie Geschäftschancen für Unternehmen im Energiesektor ist vorhanden, wie einige Erfolgsbeispiele, die sich unter den Mitgliedsfirmen des BEN-Netzwerkes befinden, beweisen. Das BEN-Netzwerk unterstützt seine Mitglieder beim Erkennen und Nutzen von Geschäftschancen mit einer eigens dafür eingerichteten Task-Force.   

Energiemarkt im Wandel

Der Wandel des Energiemarkts mit seinen vielfältigen Ausprägungen kommt auch in der Hauptstadtregion zum Tragen. Viele in der Vergangenheit erfolgreichen Geschäftsmodelle von Energieunternehmen geraten zunehmend unter Druck. Daher sind etablierte Unternehmen der Energiebranche gut beraten, sich mit der künftigen Ausgestaltung ihrer Unternehmen und Geschäftsmodelle zu befassen. In beinahe allen Bereichen der Energiewirtschaft entstehen neue Geschäftsfelder, die das Marktumfeld beeinflussen. Sie wirken sich ebenfalls auf interne Arbeitsabläufe und Prozesse aus. Ergebnis sind häufig neue Anwendungen und Lösungen, die einer Modifikation der Geschäftsmodelle bedürfen. Das wiederum stellt die Akteure der Energiewirtschaft vor neue Anforderungen und Aufgaben.  

Neue Player am Markt

Der marktbeherrschende Einfluss der “großen Vier“ E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe ist in den letzten Jahren stark eingedämmt worden. Ursprünglich teilten sie den Energiemarkt unter sich auf und prägten das Energiemarktgeschehen im Bereich der Energieversorgung in Deutschland. Mit einer voranschreitenden Liberalisierung des Energiemarkts, der Energiewende, Digitalisierung und Technisierung des Energiesystems kommen immer mehr neue Marktteilnehmer hinzu. Sie verändern den Energiemarkt insgesamt.

So kam es in den vergangenen Jahren deutschlandweit zu rund 1.000 Neugründungen von Energiegenossenschaften, interessieren sich Unternehmen aus bislang Energie fernen Branchen für den Energiesektor und bringen Start-ups innovative Lösungen auf den Markt. Insgesamt ist so der Einfluss der großen Stromversorger von 80 auf 62 Prozent im Strommarkt gesunken. Die dezentrale von Bürgern getragene Energiewende konnte sich auch dank des im Jahr 2000 auf den Weg gebrachten EEG entfalten.

Die letzten Novellen des EEG brachten jedoch auch gegenläufige Tendenzen mit sich und erschwerten die Bürgerenergiewende zunehmend. Der Motor der Bürgerenergiewende ist damit ins Stocken geraten. Industrie und etablierte Unternehmen haben inzwischen das Marktpotenzial der Energiewende und der erneuerbaren Energien erkannt. Ungehindert dessen bleiben Kommunen und lokale Akteure Treiber der Energiewende.

Zwei-Vorzeige Kommunen, die das belegen, sind das Dorf Feldheim und die Stadt Senftenberg. Feldheim ist ein 120 Seelen zählendes Dorf in Brandenburg, welches sich energieautark mit erneuerbaren Energien versorgt. Seit 2015 verfügt Feldheim über Deutschlands größten Stromspeicher mit 10 MWh Leistung. Mit diesem speichert es überschüssigen Strom der umliegenden Windpark-Anlagen mit rund 74 Megawatt Leistung. Dieser steht zu Vermarktungs Zwecken an Strombörsen bereit.

Senftenberg hat sich als 25.000 Einwohner zählende Stadt eine Solarthermieanlage auf eine 2,2 ha große Fläche gebaut. Es ist eine der größten Freiflächen Röhrenkollektor Anlagen in Deutschland. Mit der Anlage wird Wärme erzeugt, die in das kommunale Fernwärmenetz eingespeist wird.

Nur zwei Beispiele, die die Potenziale lokaler Akteure aufzeigen. Bei beiden Projekten wirkten unterschiedliche Akteure, wie Hersteller, Betreiber, Planungsbüros und Vertreter der öffentlichen Hand mit. Es zeigt, die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur unter Beteiligung vieler Akteure gelingt. Zugleich wandelt sich damit das Zusammenspiel der Akteure. Ebenso verändert es die Rollen, die die Marktteilnehmer einnehmen. Die einst klassische Rollenteilung zwischen Anbieter und Nachfrager löst sich auf. Immer mehr Marktteilnehmer vereinen beide Rollen als Prosumer, was sich auch in neuen Geschäftsmodellen widerspiegeln wird.

Neue Technologien = Neue Produkte und Anwendungen

Eine wichtige Komponente künftiger Geschäftsmodelle sind neue Technologien. Auf ihnen fußen die Produkte und Lösungen von morgen. Hoch im Kurs liegen aktuell  moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), Erneuerbare Energien (EE)-Technologien, Speichertechnologien wie beispielsweise Batteriespeicher und Power-to-X-Technologien, Internet of Things (IoT)-Technologien, Smarte Technologien und Effizienztechnologien. Auch aus anderen Bereiche erprobte Technologien kommen im Energiesektor zum Einsatz.

Mit Blick auf den Reifegrad der einzelnen Technologien zeigt sich ein recht differenziertes Bild. Während einige Technologien bereits sehr weit entwickelt sind, besteht bei anderen noch erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Reife Technologien verfügen über ein hohes Markt Nutzungspotenzial. Bei ihnen greifen Skaleneffekte, über die sich Preissenkungen erzielen lassen. Das konnte in den letzten Jahren bei der Photovoltaik und Windkraft deutlich beobachtet werden, aber auch bei der LED-Technologie und jüngst bei den Batteriespeichern auf Lithium-Basis. In Bezug auf weitere Energiespeicher-Technologien werden bereits ähnliche Effekte erwartet. Wobei bei den Power-to-X Speicherlösungen noch großer Forschungs- und Entwicklungsbedarf gegeben ist.

Jedoch werden verstärkte Forschungsanstrengungen sowie Investitionen in diese Technologien diese Entwicklung beschleunigen. Daher könnten auch hier in den kommenden Jahren weitere Durchbrüche erzielt, die einer Verbreitung der Technologien dienen. Das Berliner Unternehmen GreenPack GmbH nutzt beispielsweise schon heute die Potenziale der Batteriespeicher. Mit Gründung 2015 machte sich das Unternehmen auf den Weg flexible Nutzungs- und Transportmöglichkeiten für erneuerbare Energie zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen wurde vom erfahrenen Unternehmer Hans Constin mit auf den Weg gebracht. Damit ist das Unternehmen bereits heute Vorreiter für einen sich vollkommen neu entwickelnden Markt für Speicherlösungen und Schnittstellen Anbindungen. Die Frage nach den Schnittstellen wird in Zukunft infolge der Sektorkopplung eine immer wichtigere. Für diese sind weitere Lösungen und Anwendungen gefragt.  

Neue Services

Neben innovativen Produkten und Anwendungen auf Basis neuer Technologien, wächst die Nachfrage nach spezifischen Serviceleistungen. Von dem steigenden Informations-, Beratungs- und Wissensvermittlungsbedarf können insbesondere auf Energiethemen spezialisierte Personal-, Consulting- und Kommunikationsagenturen profitieren. Auch für spezialisierte Anwaltskanzleien, Projekt- und Versicherungsgesellschaften bringen die Veränderungen des Energiemarkts neue Geschäftsoptionen mit.

Künftig steigt auch der Aus- und Weiterbildungsbedarf im Energiebereich. Hier haben sich Universitäten und Hochschulen in Stellung gebracht. Sie kommen der Nachfrage nach Energie-IT-Experten mit entsprechenden Studienangeboten sowie weiterführenden Bildungsangeboten nach. Für private Weiterbildungsanbieter ergibt sich ebenfalls die Chance spezialisierte Angebote zu unterbreiten.   

Darüber hinaus besteht Spielraum für neuartige Angebote, beispielsweise in Form von Plattformen oder digitalen Geschäftsmodellen, die Anbieter und Nachfrager zusammen bringen. Wie sie beispielsweise von der greenergetic GmbH angeboten wird. Sie vermarktet Solarstromanlagen über Energieversorger an private Haushalte. Damit bringt sie Energieanbieter mit Energieversorgern zusammen. Hausbesitzer erhalten hier direkt vom Energieversorger schlüsselfertige Solar-Anlagen. Für den Vertrieb der Solaranlagen liefert greenergetic Energieversorgern ein komplettes Shop-System mit entsprechenden Corporate Design.

Geschäftschancen nutzen

In allen Bereichen der Energiewirtschaft tun sich neue Geschäftschancen auf. Die Veränderungen in der Energiewirtschaft bergen großes Potenzial für unternehmerisches Handeln. Unternehmen können diese für sich entdecken und nutzen. Das Voranschreiten einiger Vorreiter setzt gleichzeitig andere Marktteilnehmer unter Druck. Neue Geschäftschancen sollten jedoch mit Bedacht und nach sorgfältiger Analyse gewählt werden. Das macht eine kontinuierliche Marktbeobachtung erforderlich. Der enge Austausch und die Vernetzung mit anderen Unternehmen ist ebenfalls sinnvoll, um konkrete Projektideen zeitnah umsetzen zu können.