Beispiele der Energiewende auf dem Land

Energiewende bedeutet nicht nur die Gewinnung von Strom und Wärme aus Solar-, Wind und Biomasse, bzw. Biogas. Es sind künftig auch neue Konzepte notwendig, um Angebot und Nachfrage nach Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität zusammen zu bringen. So bietet das Flächenland Brandenburg mit dem hohen Anteil an Windenergie zum Beispiel die große Möglichkeit, neue Speicher-Technologien zu testen. Neben drei großen Batteriespeicher-Anlagen gibt es in Brandenburg auch zwei Anlagen für Power-to-Gas, die den Strom aus der Windenergie in Gas speichern, transportieren oder ins Gasnetz einspeisen.
Innovative Batteriespeicher-Projekte in Brandenburg

Die Batteriespeicherprojekte sind in Alt-Daber bei Wittstock (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) mit knapp 2 MWh an einem großen Solarpark, ein 10 MW Speicher mit Lithium-Ionen-Akkus in Feldheim und ein 5-MW Speicher bei Neuhardenberg. Die beiden letztgenannten Speicher sind am Markt für Regelenergie aktiv, um Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt ausgleichen zu können und das Stromnetz zu stabilisieren. Alle Projekte wurden vom Wirtschaftsministerium Brandenburg im Rahmen der Speicherinitiative des Landes Brandenburg im Programm RENplus gefördert. Dieses Programm setzt sich aus  Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Landesmitteln zusammen.

Hinzu kommen noch zwei Projekte mit der Power-to-Gas Technologie, die nicht nutzbare Windenergie gasförmig speichern. Mit Hilfe der Elektrolyse wird aus dem Strom Wasserstoff hergestellt. Dieses Gas wird mit Methan (Biogas) angereichert, im Erdgasnetz gespeichert und von beteiligten Unternehmen den Kunden als Windgas angeboten. Darüber hinaus wird das Wasserstoff auch an einer Tankstellen für Fahrzeuge mit Wasserstoff- oder Brennstoffzellenantrieb angeboten.

Dies sind das Hybridkraftwerk Prenzlau, Uckermark, des Unternehmens ENERTRAG, mit 500 kW elektrischer Eingangsleistung, und die WindGas-Demonstrationsanlage in Falkenhagen, Landkreis Prignitz, von E.ON mit einer elektrischen Eingangsleistung von 2.000 kW. Das Hybridkraftwerk Prenzlau war eines der ersten Projekte dieser Art zur Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien.  

Kommunale Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien

Neben der strombasierten Energiewende, gibt es auch noch Projekte im Wärmesektor. Immerhin trägt der Verbrauch von Warmwasser und Heizenergie zu einem großen Teil des Energieverbrauchs in privaten Haushalten bei. Ein Leuchtturmprojekt in Brandenburg ist die Wärmeversorgung mit Solarthermie in Senftenberg in der Niederlausitz.

Ende Oktober 2016 wurde dort die größte Solarthermie-Anlage in Deutschland eingeweiht. Auf einer ehemaligen Deponie in einem alten Tagebaugelände wurde die Anlage mit einer Bruttokollektorfläche von 8.300 m² errichtet. Sie soll im Jahr rund 4 Millionen Kilowattstunden Wärme produzieren und in den Sommermonaten die Wärmegrundlast für 10.000 Haushalte abdecken. Das Projekt ist entstanden durch das Leitbild „Energetische Zukunft Senftenberg 2030“, das 2013 beschlossen wurde.

Kommunales Energie- und Klimaschutzmanagement

Ein weiterer Weg der Energiewende in Kommunen ist die systematische Erfassung und Optimierung der lokalen Gebäude und Infrastruktur. Im November 2016 wurde die Kleinstadt Trebbin, knapp 10.000 Einwohner, im Landkreis Teltow-Fläming von der Deutschen Energie-Agentur (dena) für ihr vorbildliches Energie- und Klimaschutzmanagement als “Energieeffizienz-Kommune” ausgezeichnet. Sie hat ihre Potenziale zum Energiesparen systematisch ermittelt und mit überschaubaren Investitionen erfolgreich umgesetzt. Dazu gehört auch die Einrichtung eines kommunalen Energiemanagementsystems.

Einen anderen Weg hat die Kleinstadt Beeskow aus dem Landkreis Oder-Spree eingeschlagen. Sie nimmt als einzige Kommune aus Brandenburg am European Energy Award teil. Dieser Award ist ein Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren für umsetzungsorientierte Energie- und Klimaschutzpolitik in Städten, Gemeinden und Landkreisen. Inhalte des Qualitätsmanagementsystems sind die Entwicklungsplanung und Raumordnung, kommunale Gebäude und Anlagen, Ver- und Entsorgung, Mobilität, interne Organisation sowie Kommunikation und Kooperation. Auch beim European Energy Award gehört ein Energiemanagement oder -controlling dazu, um die kommunalen Energieverbräuche zu erfassen, zu überwachen und die größten Energieschleudern bei den kommunalen Gebäuden zu entdecken. Hierzu gehört ein dauerhafter Prozess, der mit einem Audit, also der Erfassung der einzelnen Objekte und ihres Energieverbrauchs, beginnt  Des weiteren gehören vielfältige Maßnahmen und die Schaffung lokaler Strukturen mit Einbeziehung von Verwaltung und Bürgern zu dem umfangreichen Programm.