In der 13. Ausgabe des Deep Dive Cleantech Podcasts von und mit David Wortmann haben wir den Meteorologen und ARD-Wettermoderator Sven Plöger zu Gast. Die besprochenen Themen sind die folgenden:

Wetter vs. Klima

Sven Plöger (Webseite), der ARD Wetterexperte, ist schon seit frühester Kindheit vom Wetter fasziniert. Als ausgebildeter Meteorologe verfolgt er seit Jahrzehnten Diskussionen um den Klimawandel. Plögers Schlüsselerlebnis in der Auseinandersetzung mit dem Klimawandel war das Miterleben des Orkans Lothar 1999. Er beobachtete von seinem Haus aus, wie Sturmböen von bis zu 179 km/h ein Drittel des gegenüberliegenden Waldes umwarfen. Plötzlich wurde alles, was er über Klimaveränderungen wusste, emotional spürbar.

Seitdem berichtet der Wetterexperte vor allem in Vorträgen von den Folgen und Zusammenhängen des Klimawandels und dem Unterschied zwischen Klima und Wetter.

  • Wetter ist das alltägliche Erleben unserer Umwelt (warm, kalt, sonnig, regnerisch etc.)
  • Klima ist ein langfristiger Trend, Messungen des Wetters über mindestens 30 Jahre

Eine nachvollziehbare Kette

Für Plöger ist der Klimawandel ein physischer Fakt – Physik passiert, ob es uns interessiert oder nicht. So wie Schwerkraft existiert, wir aber daran so selbstverständlich gewöhnt sind, dass sie uns meistens nicht besonders bewusst ist.

Menschen tragen unleugbar zu Veränderungen unserer Umwelt bei.

Im Grunde ist es wie bei der Börse. Es ist kein Widerspruch, dass Aktien gerade stark steigen und trotzdem an einem Tag fallende Kurse festgestellt werden. Das ist kein Widerspruch zum Trend.

(Sven Plöger | Meteorologe)

Klimaskeptiker kann Plöger nicht verstehen. Doch er sieht auch nicht alles verloren. Trotzdem ist es schwierig, die Menschen zu einer Änderung in ihrer Haltung zu bewegen. Zwar gibt es immer wieder Wellen von Protestbewegungen, die den Klimawandel thematisieren – so haben derzeit Greta Thunberg und die Fridays for Future (Webseite) Hochkonjunktur oder in den 80ern die Protestmärsche unter dem Motto “Atomkraft – Nein Danke!” – doch immer wieder flaut das Interesse ab. Bis zum nächsten Kippmoment, dem nächsten extremen Wetterereignis.

Der Klimawandel ist eine Art Asteorideneinschlag in Zeitlupe.

(Hans-Joachim Schellnhuber | Klimaforscher)

Plöger sieht die Rolle der Meteorologie darin, den Leuten intensiv zu vermitteln, was passiert. Wichtig ist ihm dabei auch der Gedanke, dass jede Handlung sich lohnt. Ansonsten sei die Gefahr groß, einfach aufzugeben. Eine Egalhaltung einzunehmen, ist auf keinen Fall vorteilhaft. Deutschland selbst schneidet im Klimaschutz tatsächlich eher schlecht ab. Bereits gesteckte Klimaziele hinken stark hinterher.  Doch noch wichtiger als die nationalen Ziele sind globale Abmachungen.

 

Das Treibhaus

Kommunikation spielt für Plöger in dieser Hinsicht eine große Rolle. Wenn normale Menschen und Medien Themen diskutieren, entsteht ein notwendiger Druck. Denn Politik ist sehr langsam und nur wenn auf politischer und wirtschaftlicher Ebene Veränderungen eintreten, können Klimaschutzziele erreicht werden.

  • um eine Erderwärmung von 2ºC zu verhindern, dürfen nur noch höchstens 720 Milliarden Tonnen CO2 ausgestossen werden
  • jedes Jahr werden 36 Milliarden Tonnen CO2 produziert
  • fossile Brennstoffe tragen 55% zum Gesamtverbrauch bei
  • um eine Erwärmung von nicht mehr als 1,5ºC zu vermeiden, haben wir noch 10-15 Jahre Zeit

Auch die Industrie und die Landwirtschaft tragen ihren Anteil an der Treibhausgasproduktion. In der Landwirtschaft wird vor allem viel Methan ausgestoßen: Ein Gas, das 25 mal so wirksam ist wie CO2.