Die Corona-Pandemie lässt viele politische Themen in den Hintergrund rückten. Der Klimawandel und der Einfluss von nachhaltigen Energiequellen bleiben dennoch von größter Relevanz. Regenerative Energien und Wasserstofftechnologien sind die Schlüsselinstrumente für eine klimaneutrale Zukunft, aus denen sich zahlreiche Nutzungsfelder für Start-ups und Unternehmen ergeben.

In Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Vorpommern fand aus diesem Grund am vergangenen Dienstag, den 10.11.20, ein virtueller BB-Energy Talk statt. Im Fokus standen „Grüne Energien als Chance für Startups“, moderiert vom Präsidiumsmitglied Christian Gräff. Fünf Sprecher aus Wissenschaft und Wirtschaft machten deutlich, wo die Chancen zum Gründen und Wachsen liegen: Prof. Dr. Johannes Gulden, Dr. Frank Pawlitschek, Robert Garbe, Dr. Mischa Paterna und Dr. Jens Hanke.

Für wissenschaftlichen Hintergrund sorgte Prof. Dr. Johannes Gulden, Professor der Hochschule Stralsund und Leiter des Direktoriums des Instituts für Regenerative EnergieSysteme (IRES). Er stellte die derzeitige Energieversorgung in Deutschland dar und machte die Relevanz von erneuerbaren Energien und Chancen in der Wasserstoffwirtschaft deutlich. Chemisch fundiert erklärte er die unterschiedlichen Produktions- und Anwendungsbereiche von Wasserstoff.

Dr. Frank Pawlitschek, ehrenamtlicher Präsident des BEN und aktuell Leiter der Hasso Plattner School of Entrepreneurship, berichtete im Anschluss an Prof. Dr. Guldens Vortrag von seiner Erfahrung als Gründer von ubitricity. Ihm zufolge kann die Politik und Forschung zwar den Rahmen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen vorgeben. Das Unternehmertum sei aber maßgeblich für die tatsächlichen Ergebnisse im Alltag verantwortlich.

Die Vorträge von Prof. Gulden und Dr. Pawilitschek wurden durch die der regionalen Startups NautiTronix, APREX und Graforce bekräftigt. Robert Garbe, Gründer und Geschäftsführer von NautiTronix, stellte sein Geschäftsmodell und die Bedingungen für GründerInnen in Mecklenburg-Vorpommern dar. APEX Energy Teterow GmbH und Graforce GmbH, vertreten durch Dr. Mischa Paterna, Verkaufs- und Marketing Direktor von APEX, und Dr. Jens Hanke, Geschäftsführer der Graforce GmbH, verdeutlichten die unterschiedlichen Marktanwendungsbereiche von Wasserstoff. Die APEX Energy Teterow GmbH entwickelt individuelle Wasserstoffkraftwerkslösungen und betreibt den derzeit einzigen, in sich geschlossenen und CO2 neutralen Gewerbepark in Deutschland. Die Graforce GmbH produziert grünen Wasserstoff auf effizientere Weise durch neue Plasma-Anwendungen, etwa aus Schmutzwasser oder Biogas.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es der Branche bisher noch an spezifischeren politischen Regelungen und Förderkriterien für eine planbarere Finanzierung fehlt. Außerdem wurde gefordert, die Einspeisung von erneuerbaren Energien ins Stromnetz sowie von Wasserstoff ins Gasnetz zu erlauben, dabei waren sich die Vortragenden einig.

Das Fazit der Veranstaltung am Ende lautete: Es lohnt sich zu gründen, insbesondere im Bereich der regenerativen Energien und Klimatechnologien. Dieser Sektor ist geprägt von Veränderungen und kontinuierlichem Erkenntnisgewinn, wodurch sich immer neue Marktlücken und Chancen eröffnen – nicht nur für etablierte Unternehmen, sondern insbesondere für Startups. Die Situation für GründerInnen, beispielsweise im Hinblick auf Finanzierungsmöglichkeiten und politische Unterstützung, hat sich in MV in den vergangenen Jahren stark verbessert. Berlin und Brandenburg vereinen darüber hinaus komplementäre Qualitäten.

Krisen bedeuten zunächst Probleme und massive Störungen von bestehenden Systemen. Sie können aber auch als Wendepunkt fungieren und neue Türen öffnen. Ähnlich wie die Corona-Krise, die Gewohntes verändert, kann die Klimakrise als Chance dienen, um gegenwärtige Strukturen nachhaltiger zu gestalten und einen Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft anzustoßen, so Christian Gräff zum Abschluss.